Partner & Experten
Prävention ist unspektakulär – aber die günstigste Form anwaltlicher Hilfe

In unserer Beitragsreihe stellen wir Unternehmen und Expertinnen und Experten aus dem Netzwerk des Schweizerischen Konsumentenbunds vor – Partner, die für Qualität, Verlässlichkeit und echte Kundennähe stehen. Heute: Peter Ruggle von Ruggle Partner.
Wenn ein Streitfall auf dem Tisch liegt, sind die Weichen oft längst gestellt – in einer beiläufigen Klausel oder einer informellen E-Mail. Peter Ruggle, Gründer und geschäftsführender Partner der Kanzlei Ruggle Partner, weiss: Wer zu lange wartet, verhandelt aus der Defensive. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, warum juristische Qualität nicht in eloquenten Formulierungen liegt, weshalb Schiedsgerichte oft überschätzt werden und warum eine Kanzlei der Zukunft kein elitärer Tempel sein darf.
Konsumentenbund: Herr Ruggle, was ist das Herzstück Ihrer Expertise? Welches spezifische Problem lösen Sie für Ihre Mandanten?
Peter Ruggle: Ruggle Partner verbindet klassische Schweizer Anwaltstradition mit internationaler Geschäftserfahrung – und das in vier Sprachen. Unser Schwerpunkt liegt im Wirtschafts- und Bankrecht, in M&A-Transaktionen, in der FinTech-Regulierung und in der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit. Was uns unterscheidet, ist die Kombination aus juristischer Präzision und ökonomischem Verständnis: Neben dem juristischen Studium habe ich einen MBA absolviert und ein Oxford-Zertifikat in FinTech erworben. So denken wir Mandate nicht nur rechtlich, sondern immer auch unternehmerisch zu Ende – pragmatisch, lösungsorientiert und auf Augenhöhe mit den Geschäftsleitungen unserer Kunden.
Konsumentenbund: Gibt es einen Aspekt Ihrer Arbeit, der von Aussenstehenden oft unterschätzt wird?
Peter Ruggle: Viele unterschätzen, wie früh anwaltliche Beratung den entscheidenden Unterschied macht. Wenn ein Kunde mit einem Streitfall zu uns kommt, sind die Weichen oft längst gestellt – in einer beiläufig unterzeichneten Klausel, einer informellen E-Mail oder einem mündlichen Versprechen. Die eine Sache, die unsere Kunden wissen sollten: Anwaltliche Begleitung ist nicht in erster Linie für den Krisenfall da, sondern dafür, dass der Krisenfall gar nicht erst eintritt. Prävention ist unspektakulär – aber sie ist die mit Abstand günstigste Form anwaltlicher Hilfe.
Konsumentenbund: Was war ein prägender Moment in Ihrer Laufbahn, der Ihre heutige Herangehensweise geformt hat?
Peter Ruggle: Eine prägende Erfahrung war meine erste Anstellung als Anwalt. Mein damaliger Vorgesetzter – ein brillanter und ausserordentlich umsichtiger Jurist – hat mich gelehrt, jede Eingabe, jeden Vertrag und jede Strategie zuerst aus der Perspektive eines unabhängigen Dritten zu prüfen. Von ihm habe ich verstanden, dass juristische Qualität nicht in der eloquenten Formulierung liegt, sondern in der präzisen Analyse und der nüchternen Frage, welche Argumente tatsächlich tragen und welche nur gut klingen. Dieser Pragmatismus – verbunden mit dem Anspruch, kein Wort ohne Substanz zu schreiben – prägt unsere gesamte Arbeit bis heute.
Konsumentenbund: Welches ist der häufigste und teuerste Fehler, den Ihre Kunden machen?
Peter Ruggle: Der mit Abstand häufigste und teuerste Fehler: zu lange zuzuwarten. Verträge werden unterzeichnet, ohne sie kritisch prüfen zu lassen. Forderungen werden nicht oder zu spät betrieben – und plötzlich ist die Verjährung eingetreten. Schreiben der Gegenseite werden ignoriert in der Hoffnung, das Problem löse sich von selbst. Mein Rat: Sobald ein Konflikt schriftlich wird, gehört er auf den Schreibtisch eines Anwalts. Nicht für ein Dauermandat – sondern für eine ehrliche, halbstündige Einschätzung. Das ist fast immer die beste Investition, die ein Kunde tätigen kann.
Konsumentenbund: Haben Sie ein Beispiel aus der Praxis, bei dem Sie einem Kunden aus einer besonders herausfordernden Situation geholfen haben?
Peter Ruggle: Ein internationaler Unternehmer hatte mit einem lokalen Schweizer Partner ein Vertriebsmodell aufgebaut. Nach Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit kündigte der Partner einseitig die Exklusivität, übernahm faktisch die Kundendaten und startete eine konkurrierende Plattform – unter Verwendung von geistigem Eigentum, das vertraglich geschützt war. Wir haben in mehreren Schritten reagiert: Inverzugsetzung, Sicherung der Beweismittel, parallel die Vorbereitung der Betreibung sowie zivilrechtlicher Klagen. Die zentrale Lektion für unseren Kunden: Wer früh strukturiert handelt, verhandelt aus einer Position der Stärke. Wer zu spät reagiert, verhandelt aus der Defensive – wenn überhaupt noch verhandelt wird.
Konsumentenbund: Welche zwei goldenen Regeln würden Sie jemandem mitgeben, der sich zum ersten Mal mit rechtlichen Fragen auseinandersetzt?
Peter Ruggle: Erstens: Lesen Sie, was Sie unterschreiben – und wenn Sie es nicht verstehen, unterschreiben Sie nicht. Standardverträge sind selten Standard für Sie persönlich; sie sind Standard für die Gegenseite. Zweitens: Dokumentieren Sie. E-Mails, Protokolle, Bestätigungen – im Streitfall zählt nur, was beweisbar ist, nicht, was so gemeint war. Diese zwei Gewohnheiten kosten nichts und ersparen die teuersten Verfahren.
Konsumentenbund: Wie stellen Sie in Ihrem Arbeitsalltag sicher, dass sich Ihre Mandanten wirklich verstanden fühlen?
Peter Ruggle: Wir nehmen uns Zeit zuzuhören, bevor wir Recht anwenden. Ein Mandat beginnt bei uns nicht mit Paragraphen, sondern mit der Frage: Was wollen Sie eigentlich erreichen? Manchmal ist das Ziel ein Urteil – oft aber eine schnelle, geräuschlose Lösung. Wir beraten in der Sprache des Kunden, wörtlich, denn wir arbeiten in Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch, und übersetzen juristische Komplexität in geschäftlich brauchbare Empfehlungen. Wertschätzung zeigt sich für mich auch darin, dass wir Rückfragen ernst nehmen, nicht abwimmeln, und Kosten transparent kommunizieren, bevor sie entstehen.
Konsumentenbund: Wie gehen Sie mit unzufriedenen Kunden oder Reklamationen um?
Peter Ruggle: Wenn etwas nicht so läuft wie geplant – und das kommt im juristischen Alltag vor – ist mein Reflex: zuerst zuhören, dann erklären, dann handeln. Ich versuche nie, eine schwierige Situation zu beschönigen. Kunden merken sofort, ob jemand Verantwortung übernimmt oder ausweicht. In einem konkreten Fall war ein Mandant frustriert, weil ein Verfahren langsamer voranschritt als erwartet. Statt Standardentschuldigungen habe ich ihm den Verfahrensstand offen erklärt, das weitere Vorgehen mit klaren Zeitfenstern strukturiert und einen wöchentlichen Kurzreport eingeführt. Aus dem unzufriedenen Mandanten wurde ein langjähriger Stammkunde.
Konsumentenbund: Was ist der „Extra-Schritt“, den Sie für Ihre Kunden gehen?
Peter Ruggle: Ich erreiche Kunden auch ausserhalb der Bürozeiten – nicht weil sie es erwarten, sondern weil internationales Geschäft heute nicht mehr im 9-bis-17-Uhr-Rhythmus stattfindet. Wenn ein Mandant aus Asien um Mitternacht Schweizer Zeit eine kurze Frage hat, antworte ich. Hinzu kommt etwas, was viele Kunden überrascht: Wir denken in Netzwerken. Über internationale Verbände öffnen wir unseren Mandanten Türen, die ein klassisches Schweizer Anwaltsbüro nicht öffnen kann.
Konsumentenbund: Gibt es eine kontroverse Meinung, die Sie in Ihrem Fachbereich vertreten?
Peter Ruggle: Schiedsgerichtsbarkeit wird oft pauschal als überlegen gegenüber staatlichen Gerichten dargestellt. Ich bin – obwohl selbst regelmässig in internationalen Schiedsverfahren tätig – kritischer. Schiedsverfahren sind häufig langsam, teuer und in komplexen Sachverhalten nicht weniger fehleranfällig als gut geführte staatliche Gerichte. Die Schweizer Zivilgerichte – allen voran die Handelsgerichte – sind im internationalen Vergleich exzellent. Eine reflexartige Schiedsklausel im Vertrag ist deshalb nicht automatisch ein Vorteil. Sie kann ein teurer Reflex sein.
Konsumentenbund: Wenn Sie einen Wunsch an die Politik oder die Regulatoren hätten, welcher wäre das?
Peter Ruggle: Ich würde dem stetigen Wachstum des staatlichen Apparats entgegenwirken und die Waffengleichheit zwischen Staat und Rechtsuchenden wieder ins Gleichgewicht bringen. In immer mehr Bereichen – sei es im Verwaltungsrecht, im Steuer- und Abgaberecht, in regulierten Märkten oder in den Sozialversicherungen – stehen Bürgerinnen, Bürger und KMU einer Behörde gegenüber, die über erhebliche personelle, finanzielle und zeitliche Ressourcen verfügt, während die Gegenseite jeden Schritt aus eigener Tasche und unter Zeitdruck finanzieren muss. Das führt in der Praxis zu einem strukturellen Ungleichgewicht: Verfahren werden länger, komplexer und teurer – nicht primär, weil die Sache schwierig wäre, sondern weil der Apparat es zulässt.
Eine kluge Reform würde an zwei Punkten ansetzen: an einer realistischen Begrenzung des regulatorischen Wachstums und an effektiveren Korrektiven, wenn der Staat selber Verfahrenspartei ist – etwa durch konsequentere Kosten- und Entschädigungsfolgen, kürzere Behördenfristen mit echten Konsequenzen sowie eine spürbare Vereinfachung der Verfahrensschritte. Das stärkt nicht nur das Vertrauen in den Rechtsstaat, sondern auch die Attraktivität des Wirtschafts- und Werkplatzes Schweiz.
Konsumentenbund: Welche Trends werden in Ihrer Branche in Zukunft die grössten Auswirkungen haben?
Peter Ruggle: Drei Entwicklungen halten wir für entscheidend. Erstens KI im Rechtsbereich – sie wird Recherche, Vertragsanalyse und Risikoeinschätzung dramatisch beschleunigen, ersetzt aber nicht das anwaltliche Urteil. Zweitens Open Banking und FinTech-Regulierung, die das Verhältnis zwischen Banken und Kunden grundlegend verändern. Drittens das geopolitische Recht – Sanktionen, Exportkontrollen, Investitionsschutz: Themen, die früher nur Konzerne betrafen, treffen heute zunehmend KMU und in einzelnen Fällen sogar Privatpersonen.
Konsumentenbund: Wie wird sich Ihr Fachbereich in den nächsten 5 bis 10 Jahren verändern?
Peter Ruggle: In den nächsten fünf bis zehn Jahren werden zwei Bewegungen den Anwaltsberuf prägen: stärkere Spezialisierung und gleichzeitig stärkere Internationalisierung. Standardarbeit wird zunehmend von Technologie übernommen – das ist gut so. Was bleibt, ist anspruchsvolle Beratung in komplexen, grenzüberschreitenden Sachverhalten. Für Kunden bedeutet das: Sie werden klarer unterscheiden müssen zwischen Anwaltsdienstleistungen, die man automatisieren kann, und solchen, bei denen menschliches Urteil und Erfahrung den Unterschied machen. Wir richten Ruggle Partner bewusst auf den zweiten Bereich aus.
Konsumentenbund: Welche Chancen und Risiken bringt die Digitalisierung für Ihre Kunden mit sich?
Peter Ruggle: Die Chance liegt in Geschwindigkeit und Transparenz: Verträge in Echtzeit prüfen, Verfahrensstände digital nachvollziehen, Mandantenkommunikation effizient strukturieren. Das Risiko liegt im Datenschutz und in der unkritischen Anwendung von KI-Werkzeugen. Wer ungeprüft KI-generierte Rechtstexte verwendet, kann sich auf Argumente stützen, die schlicht erfunden sind – Stichwort Halluzinationen. Handlungsbedarf sehe ich vor allem in der Aus- und Weiterbildung: Die nächste Generation von Juristinnen und Juristen muss Technologie souverän einsetzen, ohne ihr blind zu vertrauen.
Konsumentenbund: Was ist Ihre Vision für eine ideale Zukunft für Ihre Kunden?
Peter Ruggle: Meine Vision ist ein Verhältnis zwischen Anwalt und Kunde, das auf drei Säulen ruht: Transparenz – über Kosten, Risiken und Erfolgschancen; Augenhöhe – in der Sprache, in der Erklärungstiefe, im Respekt; und Partnerschaft – mit dem Kunden, nicht über ihn hinweg. Eine Kanzlei der Zukunft ist kein elitärer Tempel, sondern ein verlässlicher Partner, der mit dem Kunden mitdenkt und mitwächst. Genau dorthin entwickeln wir Ruggle Partner – Schritt für Schritt, Mandat für Mandat.
Konsumentenbund: Herr Ruggle, herzlichen Dank für das Gespräch und die wertvollen Einblicke!
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Über das Unternehmen:
Ruggle Partner, unter der Leitung von Gründer und geschäftsführendem Partner Peter Ruggle, verbindet klassische Schweizer Anwaltstradition mit internationaler Geschäftserfahrung. Der Schwerpunkt liegt im Wirtschafts- und Bankrecht, in M&A-Transaktionen, in der FinTech-Regulierung und in der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit. Als Träger des Qualitäts- und Vertrauenslabels „Kundenversprechen“ des Schweizerischen Konsumentenbunds zeichnet sich die Kanzlei durch herausragende Servicequalität aus.
Weitere Informationen finden Sie unter: www.rugglepartner.ch



