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Seife ist nicht gleich Seife – Experten-Talk mit Beat Urech, Geschäftsführer von Arosa Seifenmacher

Partner & Experten6 Min. Lesezeit

von Redaktion Konsumentenbund

Beat Urech

In unserer Beitragsreihe stellen wir Unternehmen und Expertinnen und Experten aus dem Netzwerk des Schweizerischen Konsumentenbunds vor – Partner, die für Qualität, Verlässlichkeit und echte Kundennähe stehen. Heute im Gespräch: Beat Urech.

Geschichte und Gründungsprozess

Beat Urech ist der Gründer und Geschäftsführer der Arosa Seifenmacher AG. Die Idee dafür hatte er, als er eine Sendung (NZZ-Format) mit Friedrich Weiss sah. Dieser machte handgerührte Seifen in Wien. Als gelernter Drogist störte sich Beat schon seit Längerem an all den Zusatzstoffen in Shampoos, Duschgels und Flüssigseifen. Begeistert von Friedrich Weiss buchte er sich ein Ticket nach Wien und besuchte den Laden zusammen mit seiner Familie. Zuhause angekommen, bemerkte er schnell den wohltuenden Effekt, den die Seife auf seine Haut hatte. «Unter der Dusche kam der Aha-Moment. Beim ersten Moment, als die Seife meine Haut berührte, wusste ich, wie kostbar diese Seife und die Kunst dahinter ist.»

Als Friedrich Weiss nur kurze Zeit später verstarb, war das Beats Zeichen, ebenfalls mit dem Seifenmachen anzufangen. Gelernt hatte er von Friedrich Weiss zwar nichts, doch begeistert von seiner Vision machte er sich ans Werk. Er probierte sich aus und schon klappte das Seifenmachen – von dort war es nur noch ein kleiner Schritt zum passenden Namen. Aus einer Vision wurde bald ein kleiner Laden und der kleine Laden bald zu einem Hit.

Vor Ort und online

Die Leute kaufen ein und viele kehren auch wieder zurück. Denn die Zufriedenheit seiner Kundinnen und Kunden steht für ihn an erster Stelle. Etwas, das sich auszahlt. Stolz erzählt Beat Urech, dass einige Kundinnen und Kunden sogar immer wieder «es Tagesreisli» machen würden, nur um den Seifenbestand wieder aufzustocken.

Abgesehen von seinem Laden lässt sich die Zeit in Arosa aber auch gut verbringen. Der Ort liegt im Kanton Graubünden. In seiner kleinen Manufaktur produziert Beat Urech die Seifen zusammen mit seinem Mitarbeiter Marco Mazenauer. Dabei sind sie an jedem Schritt beteiligt: Vom Herstellen der Seifen über das Schneiden bis hin zur Prägung. Dem Endprodukt merkt man schnell an, dass hier mit viel Liebe zum Detail gearbeitet wurde. Bestellt man die Seifen online, so bekommt man sogar eine handgeschriebene Karte mit dazu. Auch auf den Online-Shop scheint Beat sehr stolz zu sein. Auch hier würden die Leute immer wieder bestellen. Die Frage tut sich auf: Was macht seine Seifen so besonders?

Inhaltsstoffe und der pH-Irrglaube

Eine Antwort liegt wohl auf der Hand: Die hochwertigen Inhaltsstoffe. Die meisten Rohstoffe wie beispielsweise Heu, Schafsmilch oder Honig stammen aus Arosa und die ätherischen Öle sind ausnahmslos in Bioqualität.

Abgesehen davon entgeht nur wenigen der wohltuende Effekt der Seife. Beat Urech erklärt, dass viele Menschen denken, dass Seife den gleichen pH-Wert haben müsse wie die Haut. Den Slogan «pH 5,5 hautneutral» liest man nur allzu gerne auf den Duschgel- und Shampoo-Flaschen. Beat Urech spricht hier von einem riesigen, wenn auch sehr effizienten Marketinggag.         
Seine Seifen haben hingegen einen pH-Wert von 8,5. Das macht die Seife basisch und täte den eher säuerlichen Körpern, die wir in unseren Regionen haben, gut. «Der pH 8,5 entspricht etwa dem des Fruchtwassers im Mutterbauch.» Man hört immer wieder, dass man den Säureschutzmantel der Haut auf keinen Fall beschädigen darf. Beat hat aber die Erfahrung gemacht, dass das der Haut sogar eher guttun kann. «Der Schutzmantel baut sich sehr schnell wieder auf.»

Wer nicht will, der hat schon

Beat Urech geht es nicht darum, irgendwen zu überzeugen. Seine Devise ist eher die des Ausprobierens. Man könne vollends auf das eigene Gefühl vertrauen. Wozu er allerdings aufruft, ist, seine Seifen nicht nur für die Hände, sondern auch für den Körper zu verwenden. Auch für die Haare hat er Seifen im Sortiment.

Oft freut er sich im Anschluss über positive Rückmeldung von seinen Kundinnen und Kunden. So bekommt er immer wieder das Feedback, dass jemand die eigenen Hautprobleme mit seinen Seifen in den Griff bekommen hat. Erst neulich hätte er wieder eine solche Rückmeldung erhalten. Allerdings betont Beat auch, dass er nichts versprechen wolle, geschweige denn könne. Man soll «einfach mal ausprobieren und spüren!»

Ein Vorteil den Festseifen mit sich bringen, ist ihre hohe Ergiebigkeit. Bei Flüssigprodukten spült man die Mehrheit in den Abfluss herunter. Ausserdem würden sich in Tuben häufig Keime bilden, da bei jeder Verwendung Sauerstoff in die Flasche eingesogen werde. Bei Hartseifen sei das nicht der Fall.

Nachhaltigkeit

Auffällig ist, dass Beat Urechs Seifen sehr nachhaltig sind, er dieses Wort in unserem gemeinsamen Interview aber kein einziges Mal von sich aus verwendet. Irgendwann muss ich nachfragen und erhalte eine Erklärung: Er habe dem Begriff schon vor drei Jahren abgeschworen. Alles sei auf einmal nachhaltig gewesen. Vom importierten Kaffee aus Kolumbien bis hin zur Zahnbürste aus recyceltem Plastik. Im Marketing wurde mit dem Begriff inflationär um sich geworfen – bis hin zur Bedeutungslosigkeit. Für die Unternehmen, die tatsächlich nachhaltig sind, bleibt da wenig Platz.

In dem Interview wird deutlich, dass die Arosa Seifenmacher AG ein nachhaltiges Unternehmen ist. Die Rohstoffe sind mehrheitlich aus der Schweiz, die Öle sind Bio und die Verpackungen mehrheitlich aus Karton.

Die Seifenblase

Ein Satz, der hängen bleibt: «Wir leben in einer Seifenblase». Beat Urech hat mit seinem Unternehmen etwas geschafft, wovon viele nur träumen. Er ist nicht abhängig von seinem Laden in Arosa. Nur 20 Prozent seines Absatzes findet vor Ort statt, den Rest verschickt er in der Schweiz. «Andere Geschäftsleute würden sagen, was wir machen, geht gar nicht.» Aber es geht eben doch. Wenn er in die Zukunft blickt, geht Beat davon aus, dass unsere Gesellschaft wieder lokaler konsumiert. Die Geschäfte würden wieder kleiner werden und vielleicht hat irgendwann jede Region wieder ihren eigenen Beck, eine eigene Apotheke aber eben auch einen Seifenmacher(:in).

Die Vision des Seifenmachers

Seine Vision geht in eine ähnliche Richtung. Lange hätten die Menschen das Glück im Aussen gesucht, aber so langsam kehren sie wieder zu sich zurück. Vom Grossen ins Kleine. «Wo findet man das Glück? Nicht ausserhalb, nicht im Materiellen. Sondern bei sich, wenn man sich kennt und spürt.»

Seine Kundinnen und Kunden merken bei Beats Seifen nicht nur ihren wohltuenden Effekt. Sie fühlen sich aufgehoben bei Beat Urech. Sie laufen in den Laden und sind umgeben von guten Düften und guter Gesellschaft: «Wir sind authentisch. Das spüren die Leute sofort. Man kommt bei uns rein und merkt, wir machen ein Wohlfühlprodukt.»

Vom Menschen, für den Menschen.

24.04.2026

Kontakt:
Beat Urech
Geschäftsführer
Arosa Seifenmacher AG
https://seifenmacher.ch

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